Der Kris, auch keris, ist ein asymmetrischer Dolch, oft mit gewellter Klinge, der in ganz Indonesien und darüber hinaus verbreitet ist. Auf Bali ist er weit mehr als eine Waffe. Ein edler Kris ist ein heiliges Erbstück, pusaka genannt, das über Generationen weitergegeben wird und dem spirituelle Kraft nachgesagt wird. Männer tragen ihn bei wichtigen Zeremonien als Teil der traditionellen Kleidung, hinten in die Schärpe gesteckt.
Die Kunst der Kris-Herstellung wird auf Bali von Schmiedefamilien des Pande-Clans bewahrt, deren Handwerkstraditionen bis in die Majapahit-Zeit zurückreichen. Balinesische Griffe sind oft als dämonische oder schützende Gestalten geschnitzt und können mit Gold überzogen und mit Steinen besetzt sein. Der Kris ist mit der naga, der heiligen Schlange, verbunden. Der indonesische Kris wurde 2005 von der UNESCO zum Meisterwerk des mündlich überlieferten und immateriellen Erbes der Menschheit erklärt.
Alle 210 Tage, an Tumpek Landep, werden Kris und andere Metallgegenstände mit Weihwasser und Opfergaben gesegnet – ein Tag, der den scharfen Verstand ebenso ehrt wie scharfe Klingen; heute werden auch Autos und Motorräder gesegnet. Der Kris spielt zudem eine dramatische Rolle im Barong- und Kris-Tanz, in dem entrückte Tänzer unter Rangdas Bann ihre Klingen gegen die eigene Brust richten, aber von Barong geschützt werden.
Höhepunkte
- Als pusaka weitergegebene Erbklingen
- Tumpek-Landep-Segnungen
- Goldene und geschnitzte balinesische Griffe
- Der Kris-Tanz in Trance
Gut zu wissen
- Achten Sie an Tumpek Landep auf Fahrzeuge, die auf der ganzen Insel mit Palmblatt-Opfergaben geschmückt sind.
- Beim Kauf eines antiken Kris ist Vorsicht geboten; wenden Sie sich an einen seriösen Händler und erkundigen Sie sich nach den Ausfuhrbestimmungen.

Bali: Culture, Tradition & Religion
Opfergaben, Zeremonien, Tempel und Glaubensvorstellungen: 100 kurze Kapitel darüber, was die balinesische Kultur von allem anderen unterscheidet.